|
Der lautlose Gang des
Spähers
von Michaela Adick
Heilbronn - Er setzt einen allerletzten Hilferuf ab. „Onkel
Jonas“, schreibt der kleine Hannes Stroh, „mir geht’s
nicht gut, die Feinde umzingeln mich.“ Was man so schreibt, als
achtjähriger fantasiebegabter Stöpsel, der ganz und gar in einer
Indianer-Welt lebt und seine liebe Not in der Schule hat.
Denn Hannes wird gemobbt, nicht nur so ab und zu schikaniert, wie es jedem
Kind dann und wann widerfährt. Die Mitschüler piesacken den kleinen Träumer,
der so anders ist, den Spitznamen Hannes Strohkopp wird er schon lange
nicht mehr los. Selbst die Lehrerin hat ihn auf den Kieker. Sie scheint nur
darauf zu lauern, dass er einen Fehler macht. Kinder stärken, sie ermutigen
auch einmal klar und deutlich Nein zu sagen:
Das Thema hat an Brisanz nichts verloren, dachten sich die Macher des
Heilbronner Kinder- und Jugendtheaters Radelrutsch. Nach einer zehnjährigen
Pause haben sie sich „Hannes Strohkopp und der unsichtbare
Indianer“ nach Motiven von Janosch noch einmal vorgenommen: Jetzt
hatte das Stück um Freundschaft, Mut und innere Stärke in der Regie von
Bernard Wilbs (Klavierbegleitung: Sarah Rühle) in den Kammerspielen
Premiere.
Drei hölzerne Leitern dominieren das Bühnenbild, mal stehen sie für die
Stühle im Klassenzimmer, mal für Pferde, die durch die Prärie reiten. Mit
einfachsten Mitteln erzählt das glänzend agierende Ensemble von den Nöten
des kleinen Hannes (nuanciert: Denis Fink), der vom Großmaul Ebbe (Udo Grunwald)
und der Lehrerin (Nataša Rikanović) eingeschüchtert wird: Solange
eben, bis ein unsichtbarer Indianer (mit glänzenden tänzerischen und
pantomimischen Einlagen: Ricardo Camillo) auf den Plan tritt und mit
allerlei Tipps und Tricks, etwa dem lautlosen Gang des Spähers, dem Jungen
beisteht.
Heilbronner Stimme
vom 27.11.2007
|