STIMMEN AUS DER PRESSE

MIO

 

 
Hohenloher Zeitung vom 25. Oktober 2003

Auf Entdeckungsreise durch die WeIten
Heilbronner Kindertheater Radelrutsch in Öhringer Kultura


Von Regina Koppenhöfer

Poetisch und märchenhaft erlebten kleine und große Theaterfreunde jüngst die Inszenierung von „Mio, mein Mio" nach Astrid Lindgren in der Öhringer Kultura. Mit leisen Tönen spielte sich das Radelrutsch-Ensemble in die Herzen der Kinder.
Der Waisenjunge Bo Vilhelm Olsson - kurz auch Bosse gerufen - landet auf geheimnisvolle Weise im „Land der Ferne". Dort lebt sein Vater, den er noch nie gesehen hat, als König, und Bosse selbst ist Prinz Mio.
Als Prinz nimmt der Junge den Kampf gegen das Böse auf: Mio flndet sich im Rosengarten, am Lagerfeuer des Flöte spielenden Hirten, am raunenden Brunnen und im düsteren „Land außerhalb" wieder.
Einfühlsam, ohne Knalleffekte, ausgestattet mit einem auf zumeist schwarze Wände beschränkten Bühnenbild, dafür aber begleitet von Sphärenklängen, ist die stimmungsvolle Inszenierung von „Mio, mein Mio" in der Regie von Bernard Wilbs.
Udo Grunwald spielt den sympathischen Mio, der ganz unerwartet Verantwortung übemehmen und die geraubten Kinder aus den Klauen des bösen Ritter Kato befreien muss.
Als sehr wandlungsfähig bewies sich Darsteller Michael Dreesen: Mal verkörpert er einen grobschlächtigen Schmied, dann auch wieder den liebenden Vater und König und nicht zuletzt auch den grausamen, Angst einflößenden Ritter Kato.

Das Ensemble von Radelrutsch bescherte seinen Theaterbesuchern eine Reise durch verschiedene Welten. Und auf die ließ sich in der Kultura auch Johanna Schackmar ein. Die Elfjährige war besonders beeindruckt, „dass sie nur zu dritt gespielt haben". Schwester Simone freute sich, „dass Mio seinen Vater trifft, auf den er doch schon so lange gewartet hat."
Das vierjährige Brüderchen Lukas war vor allem froh, die Theateraufführung überstanden zu haben. Denn so manche düstere Szene hatte ihm reichlich Angst gemacht. Begeistert von der Aufführung war aber auch Mama Claudia Schackmar. Sie lobte: „lch find es faszinierend, dass es ohne große Bühnenbilder so fesselnd ist.
Heilbronner Stimme vom 31.Oktober 2003

Zittern und bangen im Land der Ferne

Von Andreas Eberle

Freude, Angst, Wut, Erleichterung - eine Achterbahnfahrt der Gefühle erleben die 125 Schüler, die die Premiere von Astrid Lindgrens Abenteuermärchen „Mio, mein Mio" des Kinder- und Jugendtheaters Radelrutsch in den Kammerspielen im Theater Heilbronn sehen. Sie begleiten den Waisenknaben Bo Vilhelm Olsson auf seine Reise in das Land der Feme. Ein phantastischer Ort, wo sein ihm bisher unbekannter Vater König ist und der Junge selbst als Prinz Mio einen Kampf gegen das Böse führt.
Das junge Publikum fasziniert nicht nur die Handlung, sondem auch die Bühnentricks, zum Beispiel wenn Mio dank eines Tarnumhangs plötzlich unsichtbar wird. Viele „Ahs" und „Ohs" raunen durch den Saal, sobald das Schwert aufglüht, das Mio aus der Hand des Schmieds erhält - das Zeichen, dass der Junge der Auserwählte Ist. Nur er kann den grausamen Ritter Kato besiegen.
Udo Grunwald als Mio und Denis Fink als dessen Kumpel Jum-Jum splelen die Kinderrollen so überzeugend und ausdrucksstark, dass die jungen Theater-Fans sie sofort mit Handkuss in ihre Klasse mitnehmen würden. Michael Dreesen, der dritte Darsteller, glänzt derweil als Multitalent, indem er nacheinander alle weiteren Figuren verkörpert: den König und den Hirten, die Weberin und den Schmied, die Späher und den Ritter.
Die kleine Lea Behring aus der vorletzten Reihe mag gar nicht hingucken, als Katos Schergen Im Totenwald Mio und Jum-Jum jagen. Ängstlich schmiegt sich die Sechsjährige an ihren Vater und hält sich die Hände vors Gesicht, um dann aber doch durch die Finger zu spicken - damit sie auch ja nichts verpasst. „Ich hatte Angst. Geweint habe ich aber nicht", stellt Lea klar.
Beim Höhepunkt, dem Duell zwischen Mio und Kato, gelten die Sympathien der Zuschauer dann eindeutig der Titelfigur. Die Kinder identifizieren sich mit dem Guten, wie einige warnende Zwischenrufe für Mio zeigen. „Mir hat der Schwertkampf am besten gefallen", legt sich der Schwaigerner Jonas Beck nach der Vorstellung fest. Ehrensache, dass der Fünftklässler an dem anschließenden Workshop teilnimmt, bei dem die Schauspieler die Schüler auch in die Kunst des Bühnenfechtens einweihen. 50 Kinder sind zur Nachbesprechung da geblieben und löchern das Radelrutsch-Team nun mit Fragen. Wie lange haben die Proben gedauert? Warum hat ausgerechnet er, Udo Grunwald, die Rolle des Mio bekommen? Durch welchen Trick wird Mio unsichtbar? Geduldig geben die Darsteller Auskunft - ihre zweite Höchstleistung an diesem Premieren-Vormittag.

Rheinische Post vom 4. November 2003

Theater voller Kinder in den Bann gezogen

Von Susanne Lörmann

„Ist da wirklich ein Pferd auf der Bühne, Mama?", staunte Daniel gestern Nachmittag im Emmericher Stadttheater bei Astrid Lindgrens „Mio, mein Mio". Die phantasievolle Vorführung des seit 25 Jahren bestehenden Heilbronner Kinder- und Jugendtheaters „Radelrutsch" kam aber ohne echtes Pferd aus.

Weg von den Pflegeeltern

In der Geschichte der beliebten schwedischen Kinderbuchautorin geht es um den Waisenjungen Bosse (Udo Grunwald), der es bei seinen ungeliebten Pflegeeltern nicht mehr aushält und wegläuft. Er träumt sich in das Land der Ferne, wo sein Vater (Michael Dreesen), den er nie kennen gelernt hat, der König ist. Der ist froh, seinen Sohn endlich gefunden zu haben und schenkt ihm ein weißes Pferd, Miramis. Darauf muss Bosse-Mio in das Land Außerhalb reiten und den bösen Ritter Kato besiegen, der fast alle Kinder aus dem Land der Ferne entführen und in Vögel verzaubern ließ. Dabei hilft ihm sein Knappe Jumjum (Denis Fink), der genauso aussieht wie Bosses Freund Banker in der realen Welt. Gemeinsam gelingt es ihnen, den bösen Ritter zu besiegen und die Kinder zu befreien.
Auf dem Weg dorthin verwandelte sich das schlichte, aber einfallsreich konstruierte Bühnenbild in einen Rosengarten, das Lagerfeuer der Hirten, das Innere eines Berges und Katos Burg. Mit einfachen, aber gut gemachten Licht- und Toneffekten schafften es die drei Schauspieler permanent, ein Theater voller Kinder in ihren Bann zu ziehen. Michael Dreesen dürfte sich wie ein Model gefühlt haben, da er ständig die Kostüme wechseln musste. Nacheinander verwandelte er sich in den Jungen Ole, den König, den Hirtenjungen, die Weberin, den Schmied und zu guter Letzt auch noch in den bösen Ritter Kato.
Für das Stück haben die Schauspieler sechs Wochen geprobt, die Premiere fand am 30. Oktober in Heilbronn statt. Jetzt ist die Truppe, unterstützt von einem Techniker, noch bis Ende Januar auf Deutschlandtournee. Aber wie das mit dem Pferd funktionierte, wurde nicht verraten!

Heilbronner Stimme vom 27. Januar 2005

Der Ruf aus dem Land der Ferne

Von Ulrike Maushake

„Meine Geschichten haben stets ein gutes Ende, damit die Kinder nicht trostlos bleiben" hat Astrid Lindgren einmal gesagt. Auch ihr „Mio, mein Mio". Dessen abenteuerliche Geschichte hat das Theater Radelrutsch am Mittwochnachmittag im Bürgerzentrum Brackenheim aufgeführt.

Bo Vilhelm Olsson, genannt Bosse, ist ein Waisenkind. Das allein ist schon ziemlich traurig. Und es reicht völlig aus, um ihm auf Anhieb alle Sympathie der Theaterbesucher zu sichern. Aber dass er dann auch noch bei Pflegeeltern leben muss, die ihn schikanieren und nicht wollen, dass er lacht, das ist mehr als traurig. Und so träumt er sich davon, der kleine Bosse, in eine Welt, in der er willkommen ist: Das Land der Ferne. Da gibt es einen Vater, der ihn liebt, der ihn Mio nennt. „Mio, mein Mio." Und wo er einen Freund hat, dessen Name genauso weich und klangvoll ist, wie seiner: Jum-Jum. Es gibt auch ein Pferd. Ein weißer Schimmel, natürlich. Aber vielleicht träumt Bosse ja auch gar nicht?
Mit drei Schauspielern gestaltet das Theater Radelrutsch unter der Regie von Bernard Wilbs, das poetische, abenteuerliche Märchen, für das Astrid Lindgren 1956 den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt. Udo Grunwald spielt den Mio, der einen Kampf auf Leben und Tod zu bewältigen hat. Denis Fink ist der Gefährte Jum-Jum, der ihm dabei, getreu des Grundsatzes: „Einer für alle. Alle für einen." zur Seite steht. Während Christoph Frank in die Rolle des gütigen Vaters und des stummen Nanno schlüpft. Er ist auch der Weber, der Mio einen Umhang schenkt, der aus Märchen gewebt ist, und der Schmied, der ihm ein Schwert gibt, hart genug, um damit ein Herz aus Stein zu zerschlagen. Schließlich ist er auch der grausame Ritter Kato, der die unschöne Angewohnheit hat, seinen Gegnern mit seiner eisernen Hand das Herz aus der Brust zu reissen. Besser, man spricht seinen Namen nicht aus, „sonst erlischt der Mondschein und die Blüten welken." Auf einer spartanisch ausgestatteten Bühne werden die verschiedenen Schauplätze des Märchens angedeutet, und meistens liegt die Szenerie im Halbdunkel. Ein guter Teil des Weges nämlich, den die kleinen und großen Zuschauer mit dem Helden zurücklegen, führt in finsterste Gegenden: Wald, Höhle, Schreckensburg. Denn dass auf dieser Insel der grünen Felder, die irgendwie an Irland erinnert, und über die eine todtraurige Flötenklage gleitet, die auch irgendwie an Irland erinnert, irgendetwas nicht stimmt, das merkt Mio sehr bald. Es gilt, was man gerade gewann, zu verteidigen. Gegen den Zugriff der eisernen Hand und des bösen Gemüts des Ritters Kato. Der kommt nicht dazu, Mio das Herz aus der Brust zu reißen. Weil es zu unerschrocken ist. Und außerdem wird Mio durch den Umhang geschützt, der aus Märchen gewebt wurde. Und so ein schützender Umhang ist nicht nur Mio umgelegt worden, sondern sicher auch den vielen Kindern, die das Stück gebannt verfolgten.