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Heilbronner Stimme vom 22. November 2004
Nicht ohne den Dosenfisch
Von Michaela Adick
Einmal Gott spielen, das wär's. Aushilfs-Göttin Natascha (Natascha Rikanovic) jedenfalls ist nicht ganz glücklich mit der Welt. Weder mit ihrem anstrengenden Nebengott (Udo Grunwald), der ihr die Stellung streitig machen will, und schon gar nicht mit den Menschen. Immer dieser Streit. Kampfeslustig erklettert sie die Spitze einer Leiter und mimt die »Bestimmerin.
Ein ekliger Regen soll die Menschheit läutern, besimmt sie, mit Tropfen so groß wie Luftballons. So muss sich das vor zwei mal zwei mal zweitausend Jahren" wohl zugetragen haben mit Noah und seiner Arche. Darin sind sich die beiden Kindsköpfe, die sich höchst ungöttlich zu kabbeln wissen, wenigstens einig. Und dann geht es los: Wir erzählen euch jetzt eine ziemlich sehr alte Regenbootsbauergeschichte von einem Menschen namens Noah."
Damit fängt sie an, die kleine, poetische Geschichte von Noah und der große Regen" nach einer Erzählung von Franziska Steiof. In einer Inszenierung des Radelrutsch-Kindertheaters (Regie: Bernard Wilbs) hatte das Stück, von der Klarinettistin Marlon Potyka und Michael Böttcher an den Streichinstrumenten untermalt, in den Kammerspielen Heilbronn Premiere.
Herr und Frau Noah (Natascha Rikanovic und Udo Grunwald), ein tollpatschiges Pärchen im Ostfriesennerz, macht sich also auf den Weg. Ein paar bunte Tücher um die Leiter gespannt, und schon ist die Arche fertig. Zu Orientierungszwecken ein Blick auf den Globus geworfen, ein paar Brote müssen noch geschmiert, die Tiere ausgewählt werden. Von A wie Ameise über D wie Dosenfisch und F wie Pferd rücken die Stofftiere an Bord.
Die quirligen Quilts, wunderbar hibbelige, eigensinnige Federboas, werden die Fahrt nicht überleben. Seit Noahs Zeiten gelten sie denn auch als ausgestorben. Das charmant erzählte Spiel, das von pfiffigen Dialogen und einigen akrobatischen Einlagen gekrönt wird, geht noch einmal gut aus: Auf die Regenwurm-Spaghetti und den Dosenfisch muss Familie Noah jedenfalls nicht zurückgreifen.
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Obersulm-Eschenau vom 21. April 2005
Noah und der große Regen
Die evangelische Kirchengemeinde Eschenau hatte eingeladen, und alle kamen. In der vollbesetzten Wendelinskirche hatten am Sonntagnachmittag 250 Kinder und Erwachsene viel Spaß mit dem Heilbronner Kindertheater Radelrutsch". Natasa Rikanovic und Udo Grunwald begeisterten bei ihrem ersten Auftritt in einer Kirche mit der fantasievoll in Szene gesetzten biblischen Geschichte von Noah und seiner Arche. Man hat es ja schon immer gewusst, Gott muss eine Frau sein. Wenn Natasa Rikanovic auf der Klappleiter steht, Gott spielt und Noah (Udo Grunwald) die Anweisung zum Bau der Arche gibt, schwinden die letzten Zweifel. Mit viel Witz und hinreißend gespielten Szenen, zogen die beiden Schauspieler schnell die Kinder und Erwachsenen in ihren Bann. Ich habe Angst" ruft Noah bei Blitz und Donner, und schon schallt es aus Kindermund zurück Ich nicht. Mit viel Situationskomik und Improvisationstalent entwickelten die beiden Schauspieler die Geschichte. So entstand aus einer Klappleiter, ein Paar Brettern und Stofftüchern schnell die Arche. Nach einer alphabetischen Liste von Gott holten Noah und seine Frau die Tiere aus Stoff und Plastik aus einem Koffer und verluden sie - nicht ohne witzige Kommentare zu jedem Tier - auf ihr Schiff. Unter dem Buchstaben F kam ein Ferd zum Vorschein. Nach dem Protest der Kinder wurde ein Pferd daraus. Da gab beim Buchstaben Q ein Quix, ein Tier, das es bis jetzt noch nicht gab, und das deshalb in der ganzen Kirche gesucht werden musste. Mit viel Beifall belohnten die Kirchenbesucher nach der improvisierten Sintflut die tollen schauspielerischen Leistungen der beiden Radelrutschler, die eine Stunde lang Kinder und Erwachsene gleichermaßen gut unterhielten.
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Südkurier vom 02. August 2005
"C" wie ceylonesische Nacktschnecke
Von Elfi Braschel
So bunt wie das Kulturufer ist die Aufführung des Kindertheaters Radelrutsch" aus Heilbronn, das gestern Nachmittag im Chapiteau Kindern ab fünf Jahren die spannende Bibelgeschichte Noah und der große Regen" unter viel Zuspruch nahebrachte. Auf einem Gepäckwagen über die Bühne geschoben zu werden, ist für die Kleinen schon ein Riesenspaß. So stürmen Udo Grunwald und Natasa Rikanovic mit etwas Undefinierbarem unter dem Kopftuch auf die Bühne, das sich als aufblasbare Weltkugel entpuppt, mit der sie durch Zeit und Raum reisen.
Die Darsteller wissen, dass Kinder viel Bewegung auf der Bühne mögen. So sind sie ständig in Aktion, robben auf allen Vieren, steigen auf die Leiter und spielen Gott, singen und tanzen, kichern und kreischen, toben herum. Sie schlüpfen in die Rolle der Tiere, die sie täuschend echt und lautstark imitieren. Die Liste der Tiere ist lang, die mit auf die Arche kommen sollen - und vor allem lustig: B wie Breitmaulfrosch, C wie ceylonesiche Nacktschnecke. Da müssen sich die Kinder schon ein bisschen ekeln. Mehr als zwei von jeder Sorte ist nicht erlaubt. Dass es Noahs Frau gelingt, mehr als zwei Hasen auf die Arche zu schmuggeln, bringt die Kinder aus dem Häuschen, ebenso wie Noahs Entsetzensschreie über eklige Regenwürmer und Angst einflößende Spinnen. Angsthase" meint nicht nur Noahs Frau - die Kinder sind der gleichen Meinung. Und sie streiten sich, wer was und wie spielen darf und beschimpfen sich nach Kinderart: Du Besserwisser" oder du Streithammel", gestikulieren wie wild und thematisieren Gott und die Welt. Überhaupt wird Gott und seine Bedeutung in dem Stück eine wichtige Rolle zugewiesen. Die beiden Akteure sind Erzähler und schlüpfen gleichzeitig bei Bedarf in die jeweiligen Rollen.
Eine Leiter, drei Bretter und bunte Tücher - fertig ist die Arche Noah. Ganz klar, dass die Kinder in so einem Stück auch oft einbezogen werden. Sie werden befragt, zum Beispiel ob sie Quilks gesehen hätten, Tiere, die in der Geschichte den großen Regen nicht überleben und deshalb heute ausgestorben sind. Dass Häschen sich so vermehren können, dass sie sogar Löwen über Bord schubsen könnten, darüber müssen sich die kleinen Zuschauer schon sehr amüsieren. Viel Lehrreiches erfahren die Kinder - auf spielerische Weise, witzig und unterhaltsam, besonders über die Auswirkungen der damaligen Regenflut. Da rauscht es dann gewaltig aus dem Lautsprecher.
Wie es auf der Arche mit Gestank und Tiergebrüll drunter und drüber geht, wird sehr anschaulich wiedergegeben. Ebenso wie das Pläneschmieden für ein Leben nach dem Regen, die große Freude über dessen Ende, über einen duftenden Ölzweig und einen Regenbogen. Die meisten Kinder haben die turbulente Aufführung von Anfang bis Ende gebannt verfolgt und hatten großen Spaß dabei.
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